Begegnung im geschichtsträchtigen Elsass

Mitglieder des Städtepartnerschaftsvereins Pfarrkirchen mit französischen Partnern auf Wanderschaft in den Vogesen

Egon Karlhuber

Gruppenbild mit Pfarrkirchnern und St.-Rémois vor einem spektakulären Haus in Eguisheim, dem schönsten Dorf Frankreichs. Mit von der Partie Ernst Penzel (4. von links), der 1. Vorsitzende des Ge-samtvereins Pfarrkirchener Städtepartnerschaften.

Zu den Aktivitäten der Städtepartner aus Pfarrkirchen und St.-Rémy-de-Provence gehören seit einigen Jahren auch Treffen außerhalb der jeweiligen Heimatorte. Angefangen hat es mit gemeinsamen Reisen nach Berlin, Paris und Wien. In diesem Jahr stand eine mehrtägige Wanderung in den Vogesen auf dem Programm. Dieses Projekt hat zum Ziel, die Partnerschaft zu stärken und bestehende Freundschaften weiter zu pflegen.

Acht Pfarrkirchener und zehn St.-Rémois fanden sich also im Berggasthof Résidences de l'Étang du Devin (950m) in der Nähe des Col du Bonhomme ein. Wie sich herausstellen sollte war die erste Wanderung gleich eine Reise in eine Vergangenheit, die die Teilnehmer sichtlich beeindruckte, denn sie führte in die schmerzvolle Geschichte Frankreichs und Deutschlands vor hundert Jahren. Der Wan-derweg des ersten Tages führte rund um die Tête des Faux (dt.: Sensenkopf 1208m), auf der sich zwi-schen 1914-18 ein verlustreicher Stellungskrieg zwischen französischen und deutschen Soldaten abge-spielt hat. Die Wanderer fühlten sich unwillkürlich an das Treffen zwischen Bundespräsident Joachim Gauck und dem Staatspräsidenten François Hollande erinnert, das Anfang August nur wenige Kilome-ter Luftlinie von der Tête des Faux entfernt am Hartmannsweilerkopf stattgefunden hatte. Wie schon die Staatsmänner zeigten sich Pfarrkirchener und St.-Rémois berührt von der unseligen Vergangenheit und bekundeten ihren Willen, so etwas nie mehr geschehen zu lassen.

Am Duchesne-Friedhof, auf dem Soldaten des Weltkriegs 1914-18 bestattet sind.

Passend zu den dunklen Wolken der Vergangenheit präsentierte sich das Wetter zu Beginn der Wan-dertage alles andere als schön. Doch nach wolkenbruchartigen Regenfällen in der Nacht hellte sich der Himmel am Morgen des zweiten Tages zusehends auf. An den folgenden Tagen führten die Wander-routen durch dunkle Laubwälder, hinab über wunderbare Weinberge ins Tal mit seinen pittoresken Dörfern, deren Fachwerkhäuser jeden Elsassbesucher immer wieder begeistern, oder entlang der Route de Crêtes vorbei an malerischen Seen (Lac des Truites, Lac Noir, Lac Blanc) mit zum Teil alpin anmu-tenden Weiden voller friedlich grasender Bergrinder. Sogar einen Klettersteig musste man überwinden, was die Wanderer mit Alpinerfahrung überraschte und erfreute. Von den Höhen öffnete sich zuweilen der Blick auf das tief unten liegende Rheintal, dessen Reiz Ludwig XIV. im Zuge seiner Eroberung des Elsass’ zu dem Ausspruch verleitete: „Quel beau jardin!“ („Was für ein schöner Garten!“)

Was lag also näher, als nach den Wanderungen diesen schönen Garten zu besichtigen, zum Beispiel das idyllisch gelegene Kaysersberg, den Geburtsort des berühmten Urwalddoktors Albert Schweitzer, oder das touristisch total überlaufene, weil archetypisch elsässische Dorf Riquewihr. Jedes der gemeinsam besichtigten Dörfer hatte seinen speziellen Reiz, vor allem das ebenfalls sehr bekannte Eguisheim, das die Franzosen zum schönsten Dorf im Land gewählt haben. Letztlich war Colmar ein Muss auf der Liste der Besichtigungen. Als eines der attraktivsten Ausflugsziele in der Region zog diese Stadt die Besucher in ihren Bann, vor allem die Museumsbesucher, die hier den unvergleichlichen Isenheimer Altar bewundern können.

Wandern auf den Höhen der Vogesen nahe der Route des Crêtes.

Während die Wanderungen überwiegend von der gesamten Gruppe absolviert wurden, erfolgten die Dorf- und Stadtbesichtigungen in Kleingruppen. Die Pflege der Geselligkeit war den gemeinsamen Abenden vorbehalten. Das gab den Teilnehmern Gelegenheit, beim Abendessen in munteren Gesprä-chen bei ständig wechselnden Tischpartnern sich auszutauschen, einen Edelzwicker oder einen Ge-würztraminer d’Alsace zu trinken und sogar eine spontan organisierte kleine Geburtstagsfeier abzuhal-ten. Da Essen in Frankreich immer eine große Rolle spielt, war man auf die Ergebnisse der Küche ge-spannt. Sie hat alle begeistert. Die typisch elsässischen Gerichte wie Bäckeofe oder Choucroute Alsacienne (Sauerkrautplatte mit Fleisch und Würsten) haben alle überzeugt, auch die Provenzalen, deren Speiseplan sonst ganz anders aussieht.

Beim Abschied am letzten Tag waren sich alle einig, dass das Projekt des gemeinsamen Wanderns ein Gewinn für alle Teilnehmer war, sowohl was den touristischen als auch den partnerschaftlichen Aspekt betrifft und dass eine Fortsetzung dieser Idee im nächsten Jahr durchaus eine Chance der Verwirkli-chung habe, beispielsweise mit einigen Wandertagen in den bayerisch-österreichischen Alpen.